
Steigende Erwartungen, höhere Preise, sinkende Klickzahlen – willkommen im Content-Marketing 2025. Wer heute im Marketing arbeitet, weiß: Inhalte müssen schneller raus, besser performen, auf mehr Kanälen laufen – und bitte auch noch personalisiert sein.
Gleichzeitig verlieren klassische Kanäle (wir sind jetzt so weit, das wir bei Google-Ads von klassischen Kanälen sprechen) wie Google massiv an Sichtbarkeit. Immer mehr Nutzer und Nutzerinnen holen sich ihre Antworten direkt aus KI-Snapshots, Chatbots oder Tools wie ChatGPT – ohne je eine Website zu besuchen. Der gute alte Website-Traffic? Schmilzt dahin.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – explodiert die Nachfrage nach Content. Laut einer aktuellen Adobe-Studie berichten 80 % der deutschen Marketingverantwortlichen von einem deutlichen Anstieg der Content-Nachfrage – fast jeder Zweite spricht sogar von einer Verfünffachung in den letzten zwei Jahren. Und es geht weiter: Bis 2027 rechnen 71 % mit einer weiteren Verdopplung.
Der Grund ist simpel: Kunden und Kundinnen erwarten nicht nur Inhalte, sie wollen Erlebnisse. Persönlich, relevant, zum richtigen Zeitpunkt, im passenden Format. Ob Video, Story, Umfrage, Reel, Livestream oder Whitepaper – alles gleichzeitig, bitte.
Klingt übertrieben? Vielleicht. Aber scrollt mal durch eure eigenen Feeds auf Instagram, Linkedin oder Facebook.
Ad fatigue, Scroll-Müdigkeit, CTR im Sinkflug
Klassische Bannerwerbung funktioniert nur noch bedingt. Bannerblindheit, überreizte Nutzer, sinkende Aufmerksamkeit – all das führt dazu, dass Kampagnen schneller durchbrennen als ein Streichholz im Sturm. Studien zeigen: Schon nach vier bis fünf Ad-Impressionen pro Nutzer bricht die Click-Through-Rate dramatisch ein – um bis zu 50 % in nur einer Woche.
Und genau hier wird es kritisch. Denn der Bedarf an Content wächst schneller, als ihn viele Marketingteams überhaupt nachproduzieren können. Die Realität in vielen Betrieben: zu wenig Zeit, zu wenige Leute, zu viele Freigabeschleifen. Willkommen in der Content Gap
KI als Content-Booster – nicht als Kreativkiller
Was also tun? Klar, generative KI kann helfen. Tools wie ChatGPT oder Midjourney liefern Texte, Bilder, Ideen – und das oft schneller als jedes klassische Briefing. 59 % der Marketer setzen heute schon KI in Teilen ihres Workflows ein, 83 % wollen den Einsatz im kommenden Jahr ausbauen.
Und ja: Es funktioniert. Mit der richtigen Prompt-Strategie erstellt die KI personalisierte Varianten, übersetzt Inhalte, reichert Metadaten an, produziert Videos, analysiert Performance – und spart dabei enorm Zeit. Besonders bei internationalen Kampagnen oder repetitiven Aufgaben wird generative KI zum echten Effizienz-Hebel.
Aber – und das ist wichtig – sie ersetzt nicht die kreative Haltung. Sie ist kein Texter, keine Storytellerin, keine Ideengeberin im klassischen Sinn. Sie ist ein Werkzeug. Ein verdammt gutes, aber eben ein Werkzeug.
Content-Governance: Wer steuert den Maschinenraum?
Mit steigender Produktionsgeschwindigkeit steigt auch die Verantwortung. Wer viele Inhalte ausspielt, muss sicherstellen, dass sie passen – in Ton, Aussage, Format, Relevanz. Hier kommt Content-Governance ins Spiel. Besonders in Branchen wie der Automobilbranche braucht es klare Prozesse, Standards und Systeme.
Auch hier hilft KI – etwa bei der Klassifikation, Suche, Versionierung oder Tagging von Inhalten. Aber: Die Strategie muss immer vom Menschen kommen. Und wer meint, man könne die Content-Verantwortung an ein LLM (Large Language Model) outsourcen, hat das Prinzip nicht verstanden.
CMS + KI = Turbo für das Marketing? Kommt drauf an.
Viele moderne CMS bieten heute integrierte KI-Funktionen – proprietär (z. B. Adobe Sensei, Salesforce Einstein) oder über Plug-ins von Drittanbietern (z. B. Magnolia, Contentful, FirstSpirit). Der Vorteil: Aufgaben wie Bilderkennung, Textgenerierung oder automatische Tagging-Prozesse laufen direkt im System.
Aber: Kein CMS dieser Welt löst die Content-Herausforderungen automatisch. Es braucht den richtigen Mix – aus Technik, Organisation, Strategie und Menschen, die wissen, was sie tun.
KI macht Marketing nicht überflüssig, aber besser
Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Sie wird Inhalte nicht nur schneller machen, sondern auch gezielter, smarter, skalierbarer. Aber sie wird nicht für uns denken.
Der kreative Funke, das feine Gespür für Tonalität, Timing und Zielgruppe – das bleibt menschlich. Und das ist auch gut so. KI kann uns entlasten, inspirieren, beschleunigen. Aber sie wird nicht entscheiden, welche Geschichte wir erzählen. Das ist – zum Glück – immer noch unser Job.
Und jetzt mal persönlich:
Ich arbeite hier natürlich auch mit ChatGPT zusammen – und wir kommen gut miteinander klar. Aber selbst als Profi, der KI wirklich schätzt, bin ich überzeugt: Meine kreative Ader lasse ich mir nicht von einer Maschine abnehmen. Ich werde keine Artikel schreiben lassen, die von einer KI verfasst wurden, damit ein LinkedIn-Algorithmus sie dann wieder von einer anderen KI lesen lässt.
Gute Inhalte brauchen mehr als einen guten Prompt und ein paar Zeilen Code.