Das Auto erlebt gerade ein erstaunliches Comeback

Auto Comeback

Jahrelang klang die Zukunft der Mobilität in Deutschland ziemlich eindeutig. Mehr ÖPNV. Mehr Fahrrad. Weniger Individualverkehr. Das Auto schien in vielen Debatten plötzlich eher Problem als Lösung zu sein.

Und jetzt passiert etwas Interessantes. Die Deutschen entdecken das Auto wieder neu. Nicht nostalgisch. Nicht als Statussymbol wie früher. Sondern erstaunlich pragmatisch.

Eine aktuelle Mobilitätsstudie der HUK-Coburg mit mehr als 4.000 Befragten zeigt: 76 Prozent der Deutschen sehen das Auto auch in den kommenden fünf Jahren als wichtigstes Verkehrsmittel. Damit erreicht der Pkw einen neuen Höchstwert in der Studie. Besonders bemerkenswert ist jedoch, wer diese Entwicklung antreibt: die Jüngeren.  

Denn ausgerechnet die Generation, der jahrelang nachgesagt wurde, sie interessiere sich immer weniger fürs Auto, bewegt sich wieder deutlich Richtung Individualmobilität. Bei den unter 40-Jährigen ist die Zustimmung zum Auto in den vergangenen Jahren dreimal stärker gestiegen als bei älteren Menschen. 75 Prozent der Jüngeren sehen inzwischen im Auto das Verkehrsmittel der Zukunft – fast exakt derselbe Wert wie bei den über 40-Jährigen. 2022 war der Unterschied noch deutlich größer.  

Das ist mehr als nur eine interessante Statistik. Es ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass viele Mobilitätsdebatten der vergangenen Jahre an der Realität vieler Menschen vorbeigingen.

Denn die Begeisterung für alternative Verkehrskonzepte stößt im Alltag oft dort an Grenzen, wo Mobilität nicht theoretisch, sondern konkret wird. Beim Arbeitsweg. Beim Wochenendeinkauf. Beim Pendeln. Beim Familienbesuch. Oder schlicht dann, wenn man pünktlich irgendwo ankommen muss.

Genau hier scheint das Vertrauen in andere Verkehrsträger derzeit massiv zu bröckeln.

Besonders deutlich zeigt sich das bei der Bahn. Laut Studie vermeiden inzwischen 35 Prozent der Befragten Zugfahrten, wenn es irgendwie möglich ist. Mehr als jeder Vierte plant wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn. Und fast 30 Prozent kalkulieren inzwischen deutlich mehr Zeitpuffer ein als noch vor wenigen Jahren.  

Das ist bemerkenswert. Denn es geht hier nicht nur um Unzufriedenheit. Sondern um verlorenes Vertrauen in Planbarkeit. Mobilität funktioniert für die meisten Menschen nämlich nicht emotional oder ideologisch, sondern praktisch. Das Verkehrsmittel, das zuverlässig funktioniert, gewinnt. Nicht das, über das am meisten diskutiert wird.

Vielleicht erklärt genau das auch den Bedeutungsverlust anderer Verkehrsmittel. Während das Fahrrad während der Corona-Jahre noch fast als Symbol moderner Mobilität galt, ist die Zustimmung inzwischen deutlich gesunken. Nur noch 16 Prozent sehen es als Verkehrsmittel der Zukunft. Auch Busse, Straßenbahnen und S-Bahnen kommen seit Jahren nicht über 13 Prozent hinaus.  

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Deutschen plötzlich gegen ÖPNV oder alternative Mobilität wären.

Die Studie zeigt gleichzeitig eine enorme Zustimmung für Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr. Rund zwei Drittel wünschen sich kostenlosen Nahverkehr, bessere Taktungen und ein stärker ausgebautes Deutschlandticket.  

Die Menschen wünschen sich also durchaus Alternativen. Sie glauben nur offenbar momentan nicht daran, dass diese Alternativen ihren Alltag zuverlässig genug lösen.

Und genau deshalb gewinnt das Auto wieder an Bedeutung. Nicht als Gegenmodell zur modernen Mobilität. Sondern als Sicherheitsanker in einem Verkehrssystem, das viele Menschen zunehmend als unberechenbar erleben.

Warum das für den Autohandel interessant ist

Für Autohäuser ist das eine spannende Entwicklung. Denn über Jahre wurde häufig so gesprochen, als würde das Auto zwangsläufig an gesellschaftlicher Bedeutung verlieren. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch eher das Gegenteil: Individuelle Mobilität bleibt für viele Menschen extrem wichtig. Gerade bei jüngeren Zielgruppen.

Allerdings verändert sich die Erwartungshaltung. Das Auto wird heute weniger romantisiert als früher. Es muss funktionieren. Effizient sein. Flexibel sein. Möglichst wenig kompliziert. Die Menschen suchen keine automobile Freiheitsphilosophie mehr. Sie suchen Verlässlichkeit.

Denn wenn Mobilität wieder stärker als praktisches Bedürfnis verstanden wird, gewinnen Beratung, passende Nutzungskonzepte und alltagstaugliche Lösungen massiv an Bedeutung. Das betrifft Finanzierung genauso wie Antriebsformen, Service oder digitale Betreuung.

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