
Es ist ein Trend, der seit Jahren anhält – und sich 2026 weiter verschärft hat: Immer mehr Fahrzeuge bestehen die Hauptuntersuchung nicht. Der neue TÜV-Report zeichnet ein deutliches Bild über den technischen Zustand der deutschen Pkw-Flotte. Und er lässt erahnen, warum das Thema für Autohäuser immer wichtiger wird.
Mehr als jedes fünfte Auto fällt durch
21,5 Prozent aller geprüften Fahrzeuge sind bei der HU durchgefallen – wegen erheblicher oder sogar gefährlicher Mängel. Das ist der höchste Wert seit 2020 und der vierte Anstieg in Folge. Nur noch 66,1 Prozent der Pkw waren mängelfrei. Vor vier Jahren lag die Quote noch bei fast 73 Prozent.
Der TÜV selbst spricht von einem »eindeutig negativen Trend« bei der technischen Fahrzeugsicherheit. Besonders brisant: fast ein Prozent der Autos gelten als verkehrsunsicher, dürfen also eigentlich nicht mehr auf die Straße.
Der Fuhrpark altert – und zwar rasant
Die größte Veränderung liegt nicht auf der Hebebühne, sondern im Alter: Autos in Deutschland sind heute im Schnitt 10,6 Jahre alt – fast vier Jahre älter als noch zur Jahrtausendwende. Mehr als jedes vierte Fahrzeug ist sogar über 15 Jahre alt.
Was technisch über Jahre besser geworden ist – Assistenzsysteme, Bremsen, Stabilität – wird vom Alter des Bestands regelrecht aufgefressen. »In der Gesamtschau macht die Alterung des Fahrzeugbestands technische Fortschritte zunichte«, sagt TÜV-Geschäftsführer Joachim Bühler.
E-Autos landen immer häufiger auf der Mängelliste
Immer mehr Elektroautos tauchen in der Statistik auf. 18 Modelle wurden dieses Jahr berücksichtigt – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Das schwächste Ergebnis liefert Tesla: Das Model Y landet mit einer Mängelquote von 17,3 Prozent auf dem letzten Platz seiner Klasse.
Was Autohäuser aus dem TÜV-Report mitnehmen sollten
Für Händler und Werkstätten ist der TÜV-Report kein reines Stimmungsbarometer, sondern ein Frühindikator.
Kunden müssen stärker an Wartung erinnert werden.
Viele Mängel wären vermeidbar – wenn Kunden regelmäßiger in die Werkstatt kämen. HU-Erinnerungen, automatisierte Servicehinweise und proaktive Kommunikation gewinnen an Bedeutung.
Auch wenn die Elektromobilität tendenziell weniger Wartung bringt – der alternde Bestand kompensiert das. Werkstätten werden mehr sicherheitsrelevante Arbeiten sehen, nicht weniger.
E-Autos brauchen neue Prüfkompetenzen.
Rekuperationsbremsen, Batteriegewicht, Achsgeometrie – Werkstätten müssen ihr Know-how ausbauen. Die Mängelbilder verändern sich.
Beratung wird wichtiger als Reparatur.
Je älter die Fahrzeuge werden, desto häufiger steht die Frage im Raum: »Lohnt sich das noch?« Autohäuser, die hier klar und vertrauensbasiert beraten, binden Kunden langfristig.
Die Zahlen sind eindeutig: Deutschlands Fahrzeugbestand wird älter – und das hat spürbare Auswirkungen auf HU-Ergebnisse und Werkstattaufkommen. Für Autohäuser ist das eine Chance und Herausforderung zugleich: Mehr Beratungsbedarf, mehr komplexe Arbeiten, mehr digitale Kundensteuerung und Personalisierung.